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Holcim-Werksleiter: „Bei Dioxin hört der Spaß auf“

„Bei Dioxin hört der Spaß auf“

 

Holcim-Werksleiter Dieter Schillo wird im Dotternhausener Gemeinderat deutlich

 

Der Dotternhausener Gemeinderat hat gestern das Einvernehmen zum Bau einer Kunststoffanlage und einer Heißmehlentnahmeanlage erteilt. Holcim-Werksleiter Dieter Schillo erläuterte die Projekte.

 

Dotternhausen. Eine Gegenstimme gab es für die neuen Pläne des Zementunternehmens Holcim gestern Abend im Dotternhausener Gemeinderat. Es war Gemeinderat Siegfried Rall, der zuvor vergeblich versucht hatte, per Antrag „noch genauere Informationen zu erhalten und die Entscheidung zu vertagen“.

Was Holcim in Sachen Kunststoffverbrennung und Heißmehlentnahme vor hat, hatten die Gemeinderäte bereits vor einiger Zeit bei einem nichtöffentlichen Besuch im Zementwerk detailliert erfahren. Auch Rall war damals dabei, „und als Sie hinausgegangen sind, haben Sie mir gesagt, dass Sie nun alles verstanden haben“, erklärte Schillo leicht aufgebracht.

 

Verärgert hatte ihn Ralls Äußerung, dass sich beim Abkühlen der Anlagen Dioxine bilden könnten. Schillo wiederum schloss dies für die Dotternhausener Anlagen kategorisch aus. „Beim Dioxin hört der Spaß auf“, so Schillo. Um selbstkritisch zu ergänzen, dass man im Jahr 2013 ein einziges Mal bekanntermaßen minimal erhöhte Dioxinwerte im Werk gemessen habe, „die aber noch weit unter dem gesetzlichen Grenzwert lagen“.

 

Jeder Schwedenofen, der in Privathäusern geheizt werde, erzeuge, sobald der Schieber zugemacht werde, zu einem gewissen Grad Dioxin. „Ich lade Sie ein, mit einem von Ihnen ausgesuchten Experten zu uns ins Werk zu kommen und sich alles noch einmal genau erläutern zu lassen“, war Schillos Angebot an Rall.

 

Kunststoff wird bei Holcim schon seit längerem als Ersatzbrennstoff eingesetzt. „Die Anlage entspricht aber nicht mehr dem Stand der Technik für den Dauereinsatz von Kunststoff“, ließen Schillo und der ebenfalls anwesende Leiter Ersatzbrennstoffe, Dr. Friedrich Wimmer, die Gemeinderatsmitglieder wissen. Nun soll alles anders und vor allem besser werden. Ein Silo als Lager ersetze Wochenendfahrten von LKWs. Mit einer neuen Anlage und einem in sich geschlossenen System soll die Kunststoffverbrennung optimiert werden. „Der genehmigte Stoff, die genehmigte Einsatzmenge sowie der maximal zulässige Ersatzbrennstoffanteil bleiben unverändert“, versichert die Unternehmensvertreter. Durch die geplante Kunststoffanlage würden auch keine zusätzlichen Abfälle entstehen. Auch könne eine Wassergefährdung ausgeschlossen werden, und eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nicht notwendig, „weil keine erheblichen oder nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt zu erwarten sind“.

 

Letzteres gilt nach Angaben von Schillo und Wimmer auch für die Heißmehlentnahmeanlage. Heißmehl ist ein Zuschlagstoff für Zemente und Bindemittel und soll das zugekaufte Calciumoxid ersetzen. Auch hierbei handelt es sich um ein geschlossenes System, „das eine Entstaubung oder Filteranlage nicht erforderlich macht“. Rund 5,2 Millionen Euro nimmt der Zementriese in Dotternhausen in die Hände. 1,9 Millionen Euro für den Rohbau aus Beton und Stahl und 3,3 Millionen Euro für die Anlagentechnik.

 

Autor: Klaus Irion

Bild: Klaus Irion

Quelle: zak

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