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Allen war das Gutachen bekannt

Zu: Dem ewigen Streit um den Plettenberg

 

Hört einmal her, liebe Leute: Ihr lebt und wohnt hier in einer Gegend, die ihresgleichen sucht und die mit zum geographisch Schönsten und geologisch Interessantesten gehört, das Gottes Schöpfung für uns Menschen auch nur bereithalten kann!

 

Und weil ihr dies offenbar schon für selbstverständlich erachtet, bedeutet euch dieses alles nur mehr wenig bis gar nichts mehr: ‚Plette‘ ist eigentlich die umgangsgeologensprachliche Bezeichnung für eine erdig-feuchte Schichtformation und hat mit Ölschiefer-Gewinn (maximiert)streben überhaupt nichts zu tun.

 

Der Streit geht vielmehr allein um jene mächtige in sich zwar zerklüftete, aber dennoch (bis jetzt wenigstens) stabile Deckschicht aus Massen-oder Malmkalk, welche das Jurameer vor Jahrmillionen gleichsam als ‚Bodensatz‘ zurückließ.

 

Nun stellte schon der damalige Umweltschutzbeauftragte des Landratsamtes Balingen, ein gewisser Oberforstrat Stoffler, in seinem Gutachten von 1974 fest, dass mit dem Kalkabbau dort oben endgültig Schluss sein müsse, ohne dass Berg, Landschaft und Bewohner Schaden nehmen würden, und nannte auch eineZeit, nämlich das Jahr 1977.

 

Kurze Zeit später, im Herbst 1980, wurde ich dann von einem Herrn Norbert Majer, damals seines Zeichens Bürgermeister in Dotternhausen, in mein Amt als Konrektor an der Dotternhausener Schlossbergschule (GHS) eingeführt.

 

Und ich weiß aus dieser Zeit und deren Umständen, dass allen Ortsverantwortlichen dieses Stoffler-Gutachten sehr wohl bekannt war und dass sie sich um dessen penible Beachtung engagiert kümmerten, ohne jedoch die Interessen von Rohrbach-Zement außer Acht lassen zu können, denn dies war damals der Haupt-Arbeitgeber der Gemeinde Dotternhausen, und davon lebten ja praktisch sie alle.

 

Neu war für mich auch, dass ich in jenen Tagen zum allerersten Male mit diesen Allergie-Reaktionen von Schülern Bekanntschaft machen musste. Solches war mir aus unseren langen Lehrer-Jahren in Oberdigisheim gänzlich fremd, dort oben hatte es dergleichen niemals gegeben.

 

Über diese neue Erscheinung machte ich mir wohl Gedanken, konnte sie ursprungsmäßig aber als medizinischer Laie nicht einordnen. Heute sind wir auch hier entschieden weiter und wissen, was dagegen zu tun ist: Wirkmächtige Filter in den Müllverbrennungs-Überschloten des Zementwerkes.

 

Denn in ihrer unmittelbaren Westdrift stinkt es uns hier unten allen ganz gewaltig.

 

Autor: Wilhelm Isert, Hainbuchenstraße, Balingen-Erzingen

Quelle: zak

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